Archiv für August 2014

Menschenkette in der Lausitz…

… war anstrengend.

Aber ich wollte da ja hin und Teil sein.

Zuerst wurde der Bus storniert, der am selben Tag noch zurückfahren sollte – klar, wenn den nur 3 Leute buchen.

Allerdings hätte ich für den anderen Bus ein Zelt gebraucht um auf einem Campingplatz zu übernachten – da schien es dann mit einer gebuchten Turnhalle eine Alternative zu geben – ich also okay, schieß die zusätzlichen 17 Stunden in den Wind die das Teilnehmen an der Menschenkette kostet – und vor Ort gab es dann diese Turnhalle nicht, oder sie war in einem anderen Ort, oder sie war einfach nicht gebucht. Keiner wird es jetzt noch rausfinden, denn jetzt ist es vorbei und okay.

Das führte dann dazu, dass ich erst mal ein Zeitchen wie Falschgeld vor‘m Klimakamp rumsaß, während ein paar tapfere Marburger Greenpeacer per Handy versuchten, die Sache zu klären; bis ein anderer Mitbetroffener Nicht-Zelt-Besitzer, der im Gegensatz zu mir zu Greenpeace gehörte und Explorer-Verhalten gezeigt (das Gelände erkundet) hatte, wiederkam und meinte, er würde sich auch alternativ in einem großen „öffentlichen Zelt“ auf ner Bühne zum Schlafen hinlegen wenn das mit der Halle nix wird, und würde mir das gerne als Option zeigen – ich war so froh für diesen Engel, und bin dann gleich mitgegangen, gar kein Spektakel mehr machen. Denn da nur rumsitzen mit der Aussicht auf Nullerfolg und dazu einen Busfahrer der am nächsten Tag wegen Einhaltung der Ruhezeiten erst um 11 losfahren kann weil wir noch rumverhandeln, war’s dann in meinen Augen auch nicht wirklich. Und irgendwie wollte ich, allmählich durchfrierend und deprimiert, auch allmählich mal ganz dringend einen Platz, wo ich bleiben und mich mal langsam entspannen kann, und das war dringender als ne hypothetische Halle.

Ich hab mich dann also auf‘m Klimacamp im Kinozelt mit Isomatte auf der Bühne geparkt, meinen mitgebrachten Alukoffer (nicht aus Show sondern weil mäusesicher – und weil mein einziger Koffer – und natürlich AUCH für die Show) da hoch gerammt, und dann Dinge festgestellt die mich doch sehr trösteten – geil es gibt unter der Bühne Strom – dann kann ich ja doch noch am Computer arbeiten und nicht alles ist verloren!… – Schlafstatt hergerichtet, Laptop auf den Koffer geballert, Anknopf gedrückt und das ansonsten in fast vollständiger Finsternis versunkene Zelt mit einem plötzlich aufleuchtenden Monitor zum potenziellen Mückenmagneten gemacht.

Plötzlich kam eine Frau an, fragte mich: „Hast Du Internet?“, ich wahrheitsgemäß: „weiß ich noch nicht“ (hatte gerade erst gecheckt ob Wlan da war, und versucht eins zu entern) – auf einmal stand die Verbindung – Yeah – ich „ja, jetzt hab ich internet, was kann ich für dich tun?“, sie: „ich möchte wissen ob mein Leben sich geändert hat, brauch die Lottozahlen von gestern“ – und anschmieg – okay, Lottozahlen gesucht, ihr Leben hatte sich leider nicht geändert, auf dem Schein standen andere Zahlen als im doofen www – ich versank kurz darauf in einem Konfetti aus zerrupftem Lottoschein, wir redeten noch ein paar Sachen über wasauchimmer und auf einmal sie sinngemäß: „Huch Du bist ja ne Frau – die dahinten meinten ich sollte mal zu dem Mischer gehen der da auf der Bühne sein Zeug aufbaut“ (jaa der Alukoffer… immer wieder gut für ein Missverständnis… Dass da lediglich ein frustriertes Etwas den Turnhallen-Schlafplatzersatz mit einem mäusesicheren Koffer zwecks Überdauerung der Nacht enterte, schien im wahrsten Sinne im Dunkeln zu bleiben. Und die Steckdosenleiste und die gezielte Stromsuche mit Taschenlampe. Weil, wer, der einfach nur frustriert auf der Suche nach Schlafplatz ist, hat schon ne Steckdosenleiste dabei? Ich mein, außer mir? Ich mein, außer einem frustrierten Sucher nach einem 220-Volt-Schlafplatz? – Fällt mir gerade beim Rekapitulieren auf, dass das mehr Indizien als nur ein Alukoffer waren).

Joar, auf jeden Fall hatte ich meinen PC-Arbeitsplatz und konnte auch einige der Sachen wegmalochen, die an dem Wochenende angestanden haben und für die mir durch den Busausfall 17 Stunden weggefallen waren.

Die Lottofrau pennte dann auch in dem Zelt, weil keinen anderen Platz, war aber noch schlechter gegen die rattige Kälte gerüstet als ich und mein „Turnhallen-Kollege“; ich hab ihr nen Kissen und nen Pullover angeboten, sie wollte aber irgendwie keine Umstände machen; toi toi kam aber zweimal eine andere Frau die nach ihr sah, ich schilderte ihr aus meiner übermüdeten Sicht die Lage und sie brachte später noch ne Decke und n Kissen (den mitgebrachten Kaffee lehnte die Lottofrau ab, den trank die Helferin dann).

Wir haben’s alle überlebt, ich war Teil der Menschenkette (und das war mir wichtig), und falls ich jemals wieder so was mitmache, weiß ich nun, dass ich mit sehr hoher Priorität Papier und Buntstifte einpacken werde – Busfahren (obwohl ich’s mag) kann extremst-langweilig sein, wenn es keinerlei Möglichkeit gibt, dem Laptop mehr als seine Akku-Laufzeit zu geben (allein die Rückfahrt dauerte wegen Stau-Stau-Stau 10 h, und ich hab immer nur in den Fahrtpausen an meinem Vogelbuch-Index weitergetippt bis der Birne „ich garantiere noch zwei Minuten Strom“ signalisierte); und ich habe daraus für mich persönlich mitgenommen, nicht auf ’ner Turnhalle zu beharren wenn es Gemeinschaftszelte auf so’nem Camp gibt, wo man sich dann einfach ‚n Eckchen suchen kann an dem man nicht nassgeregnet wird.

Schlafen kann man sowieso nicht, da isses dann auch plusminus egal wo und mit welcher Reizüberflutung man umfällt – Hauptsache plusminus trocken. Hauptsache ich hab mein Internet gehabt, damit sich das Birnemitschleppen gelohnt hat (heey nix gegen Dich, Birne – Du wiegst nur viel).

Am nächsten Morgen nach‘m Versuch, in der Senkrechte Aktionismus zu beweisen, kam jedenfalls die Lottofrau noch mal auf mich zu, bedankte sich dafuer, dass ich mir so viel Gedanken gemacht hab, dass sie nicht erfriert, und sagte dann was, wo ich dachte: „nee das kann die nicht so meinen“, nämlich ich wär ziemlich locker.

Hab mich selber bei der ganzen Nach-Menschenketten-Nach-inPolenaufmFestgeländevonMückenumgebrachtwerden-und-martialischen-Männern-beim-Schäferhunddiensthaben-Zugucken-TurnhallensuchAktion nicht als „locker“ sondern eher als Extrabratlings-Klotz am Bein empfunden, deswegen tat mir das schon ziemlich gut, auch mal so’ne Rückmeldung zu bekommen, dass ich nicht ganz und gar beinklotzig bin.

Da hackt mir halt immer wieder mein seit 1969 andressiertes „du bist ein Mädel“-Minderwertigkeitsgefühl rein und stellt Schalter, die es nicht braucht.

Fazit von dat Ganze?

Ich würde jederzeit wieder die Gelegenheit ergreifen mich in einen Bus zu setzen der 4 Uhr morgens abfährt, um ein Ziel zu erreichen wo ich wirklich sein will, und dabei das Rahmenprogramm in Kauf nehmen.

Und auf der Menschenkette in der Lausitz wollte ich wirklich sein.

Ich würde aber definitiv beim nächsten Versuch Stifte und Papier einpacken.

Playlist Frühschicht 25.8.2014

… aufgrund von Teilnahme an der Anti-Braunkohlen-Menschenkette in der Lausitz gab es heute eine Wiederholung vom 1.4.2010: Vogel der Woche # 150, Die Sendung mit dem Zebrafinken.

watcherx.blogsport.de/2010/04/01/playlist-1-4-2010/

Wort des Tages: 25.8.

hateämälisch schreiben
25.8.2014 in einem Interview mit I. Brodnig gehört

Playlist Frühschicht 19.8.2014

Sender: Radio Unerhört Marburg
Sendung: Frühschicht (Montag)
Uhrzeit: 7:00-9:00 Uhr, Wiederholung 9:00-11:00 Uhr
Modzen&Ratzen: hikE

1 Malcolm McLaren – Algernon’s simply perfect good at algebra
2 Orchestre International du Vetex – Descarga Municipial
3 RUM – Greenpeace Menschenkette Teil 1 (65633)
4 Tab & Anitek – Equestrian
5 RUM – Greenpeace Menschenkette Teil 2 (65634)
6 Der Gute Ton – Come Together
7 VdW – Sperrling (65636)
8 The Trashman – Surfing Bird
9 Ella & Korro – FlipFlop
10 Loewenhardt – Travel
11 Corax – Kein Kavaliersdelikt (III). Über aktuelle Fälle sexueller Diskriminierung an der Universität in Halle. (65549)
12 Nora Naughty – Walker
13 Skalinka – Loco loco
14 Redaktion Sendeloch – Miese Filme für miese Zeiten (65558 – interner Bereich)
15 Peter Schulling – Die Wüste lebt
16 Garp – Kiwi
17 Kraftwerk – Europe Endless

Und jetzt alle mitsingen!

Raumschiff! Raumschiff!

… zur Melodie von „Heidi“…